NutzerWelten

Wer sind wir?

Eine Stärkung der Nutzerorientierung bei der Entwicklung technikgestützter Lebenswelten für Menschen mit Demenz – das ist das Ziel des Forschungsschwerpunktes NutzerWelten an der Hochschule Düsseldorf (vormals Fachhochschule Düsseldorf), der Anfang 2014 seine interdisziplinäre Arbeit aufgenommen hat und sie mindestens bis Ende 2017 fortführen wird.

Viele Forschungsvorhaben im Feld ambienter bzw. assistiver Technologien greifen lediglich technische Lösungen auf und vernachlässigen deren Relevanz für die Lebensqualität der Nutzerinnen und Nutzer. Zu Letzteren zählen ganz besonders Menschen mit Demenz, die nach wie vor selten in Entwicklungs- und Evaluationsprozesse bei der Gestaltung technisch-räumlicher Lebenswelten eingebunden werden.

Menschen mit Demenz als Mitentwicklerinnen und Mitentwickler technischer und gestalterischer Lösungen einzubeziehen bedeutet, Ressourcen der Betroffenen zu (er-)kennen und sie zu berücksichtigen. Es bedeutet zugleich, Möglichkeiten zu schaffen, individuelle Kompetenzen einzubringen, ohne sich zu überfordern. Es geht keinesfalls darum, nur die Erkrankung zu betrachten, sondern den Menschen hinter ihr zu sehen, ihn mit seiner Individualität, seiner Persönlichkeit und seiner Biografie in die Arbeit einzubinden um ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Eine solche Aufgabe gelingt nur in einem interdisziplinären Team, das im engen Austausch mit professioneller Praxis als auch Betroffenen und ihren Familien steht. Deshalb vereint NutzerWelten sowohl die Kompetenzen verschiedener Fachbereiche der Hochschule Düsseldorf (des Fachbereichs Medien, des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften, des Fachbereichs Elektro- und Informationstechnik sowie des Fachbereichs Design als auch das Erfahrungswissen weiterer Akteure aus Forschung und Praxis.

Wo stehen wir?

Studie SICHERHEIT

Im Rahmen dieser Vorstudie konnte ein vom Fachbereich Elektro- und Informationstechnik entwickeltes Sicherheitssystem zur Unterstützung der Selbständigkeit in der häuslichen Lebenswelt in insg. 10 Haushalten von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen getestet werden. Weitere 13 Haushalte standen als Kontrollgruppe zur Verfügung und beteiligten sich an einer Befragung zum Thema Lebensqualität und Sicherheit. Um die Funktionalität der vernetzten Technik sowie die Wirkung der technischen Hilfsmittel auf die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu untersuchen, wurden die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer insgesamt drei Mal befragt. Die gewonnenen Daten, die im Rahmen einer begleitenden Evaluation durch den Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften erhoben und ausgewertet wurden, können als Basis für die Weiterentwicklung geeigneter Sicherheitstechnik genutzt werden, um Menschen mit Demenz einen längeren, selbstbestimmten und sicheren Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen.

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Studie KOMMUNIKATION

Studien, in denen Menschen mit Demenz den Nutzen von Technik bewerten, zeigen, dass gelungene Kommunikation mit Angehörigen einen zentralen Aspekt ihrer Lebensqualität bildet. Technik kann Kommunikation auf vielfältige Weise unterstützen – sie kann z.B. zur multimedialen Gestaltung biographischer Gehalte dienen oder den Kontakt über Distanzen hinweg erleichtern. . Im Rahmen der Studie KOMMUNIKATION sind in Teilprojekten technische Objekte entwickelt worden, die verschiedene Aspekte gelungener Kommunikation aufgreifen. Im Teilprojekt „Erinnerungspeicher“ steht die Nutzung digitaler Inhalte und innovativer Mensch-Technik-Interaktion unter Beachtung gestalterischer und sozialer Aspekte im Mittelpunkt. Durch den „technischen Erinnerungsspeicher“, der biografisch wichtige Inhalte in Form von Videos, Bildern und Musik speichert und diese mit bestimmten Orten oder Gegenständen verknüpft, sollen Erinnerungen für Menschen mit Demenz so lange wie möglich erhalten bleiben. Für Angehörige kann dieses Objekt dazu dienen, zentrale Erinnerungsinhalte für die Kommunikation zu erschließen. In einem weiteren Teilprojekt, einem „interaktiven Buch über die Urlaubswelle nach Italien in den 50ern in Bild und Ton“, wurden in mehreren Stufen nutzerzentriert „mediale Inszenierungen” unter Leitung von Frau Dr. Huldtgren und Frau Vormann entwickelt und anschließend in einer größeren Feldstudie im UX-Forschungsteam des Mirevi-Labors in Einrichtungen der Diakonie Düsseldorf evaluiert.

Projekte DESIGN

Der Fachbereich Design realisiert im Forschungsschwerpunkt NutzerWelten räumliche Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Design und Technik in Kooperation mit den am Projekt beteiligten Fachbereichen. Im Jahr 2015 konnte der Fachbereich Design mit dem St. Augustinus Memory-Zentrum in Neuss einen innovativen Projektpartner gewinnen. Hier konnten Studierende 12 innovative Themenkabinette realisieren, die von den an Demenz erkrankten Bewohnern des Hauses und ihren Angehörigen genutzt werden können. Unter der Leitung von Prof. Anton van der Laaken wurden dazu Gestaltungskonzepte erstellt, die sich an den Kriterien Bewegung, Erinnerung, gemeinsames Handeln und Sinneswahrnehmung orientieren. Ziel ist es, durch gute gestalterische Lösungen das Wohlbefinden und die Orientierung von Menschen mit Demenz zu fördern.

Austausch Wissenschaft Praxis
Februar 2015 – Transferveranstaltung mit Kooperationspartnern

Ein zentrales Anliegen des Forschungsschwerpunktes NutzerWelten ist es, in engem Austausch mit der Praxis und unter Einbeziehung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen technische Innovationen in den Bereichen Sicherheit und Kommunikation zu entwickeln. Anlässlich des einjährigen Bestehens des Projektes fand eine erste Transferveranstaltung mit kooperierenden Einrichtungen aus Wissenschaft und Praxis statt. Sie bot ein Forum für die Vermittlung von Informationen über die laufenden Vorstudien SICHERHEIT und KOMMUNIKATION und schuf die Möglichkeit für einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch, dessen Ergebnisse in die weitere Forschung und Entwicklung eingeflossen sind.

Februar 2016 – Symposium „Innovationen für Menschen mit Demenz“

Anlässlich des zweijährigen Projektbestehens präsentierten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Forschungsschwerpunktes NutzerWelten zusammen mit ausgewählten Kooperationspartnern die Ergebnisse aus aktueller Forschung und Entwicklung. Mehr als 100 Gäste, überwiegend aus Wissenschaft und Praxis, folgten der Einladung zum Symposium, das im St. Augustinus Memory-Zentrum in Neuss stattgefunden hat. In einer Mischung aus wissenschaftlichen Vorträgen, Ergebnissen konkreter (Eigen-)Entwicklung in Form innovativer technischer Objekte, einer Podiumsdiskussion sowie einem Rahmen, der genügend Zeit für einen konstruktiven Austausch bot, bestand nicht nur die Möglichkeit, Anregungen für weitere Forschung zu gewinnen, sondern auch neue Arten der Zusammenarbeit einzuleiten.

Impressionen
Eindrücke vom Symposium in 2 Minuten:

Weitere Informationen zu und Materialien vom Symposium hier

Der Forschungsschwerpunkt NutzerWelten wird aus Mitteln des Programms FH-STRUKTUR des MIWF NRW finanziert.